Nomophobie – Die Angst vor der Nichterreichbarkeit

Im Jahr 2009 – vor nur 6 Jahren – besaßen in Deutschland gerade einmal 6,3 Millionen Menschen ein Smartphone. Heute sind es bereits über 46 Millionen[1]. Für viele Menschen ist das Smartphone inzwischen zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden, ohne den sie nicht mehr leben können. Die Angst davor nicht erreichbar oder nicht online zu sein, nennt man Nomophobie.

Nomophobie ist die Abkürzung für „No Mobile Phone Phobia“, auf Deutsch „Kein-Handy-Angst“. Der Begriff wurde erstmals 2008 geprägt. Die Angst geht bei einzelnen Betroffenen sogar so weit, dass diese regelmäßig ein zweites „Ersatzhandy“ bei sich tragen. Aber auch Symptome, die fast jeder von uns kennt, sind Anzeichen der Nomophobie. Oft genügt bereits schlechter Empfang oder ein sich dem Ende neigender Akku, um betroffenen Menschen Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Ein weiteres Phänomen von Nomophobikern sind die sogenannten Phantom-Vibrationen: Man glaubt die Vibration einer eingehenden Nachricht zu spüren, obwohl keine Nachricht eingetroffen ist. Auch das Smartphone niemals auszuschalten, aus Angst etwas zu verpassen, gehört dazu. Über 60 Prozent aller Smartphone-Besitzer sind von solchen Symptomen betroffen.

Junge Frauen mehr betroffen als Männer

Besonders gefährlich ist die Nomophobie in Kombination mit einer ausgeprägten Internetsucht. In einem Vergleich[2] unter Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren aus sieben europäischen Ländern sind insbesondere die jungen Spanier gefährdet. 21,3 Prozent der Befragten neigen zur Internetsucht, und somit indirekt auch zu einer sehr ausgeprägten Form der Nomophobie. In Deutschland sind das „nur“ 9,7 Prozent. Jugendliche sind dadurch bereits besonders gefährdet, weil bei Ihnen das Smartphone überdurchschnittlich verbreitet ist. Fast 90 Prozent aller Jugendlichen über 14 besitzen eins. Dabei sind Frauen von der Nomophobie mehr betroffen als Männer[3]. Dies zeigen mehrere Studien aus den letzten Jahren.

Weiterer Nährboden für die Nomophobie ist die rasante Entwicklung der mobilen Geräte in den letzten Jahren. Konnte man mit Handys vor wenigen Jahren nur Telefonieren und SMS verschicken, ersetzen Smartphones inzwischen Bücher, TV, Kameras, MP3-Player und Laptop. Das gesamte private und berufliche Leben wird mit den mobilen Alleskönnern organisiert. Zum einen sehr praktisch, zum anderen eben auch gefährlich. Zumal immer die Gefahr besteht, dass man sich als Nomophobiker immer mehr im wahren Leben sozial isoliert, auch wenn man ständig auf sozialen Netzwerken online ist.

Was hilft?
Gegen Phobien hilft in den meisten Fällen eine Konfrontationstherapie. Das bedeutet, dass man sich seiner Angst stellen muss, um zu erfahren, dass einem nichts passiert. Man sollte sein Smartphone einfach mal zu Hause lassen. Oder es den ganzen Tag nicht anmachen. Zumindest das Gerät auf lautlos stellen und ebenfalls den Vibrationsalarm auslassen. Aber auch das Smartphone einfach mal in der Tasche lassen, ohne ständig darauf zu gucken – Erste Schritte zu einem entspannten Leben.

 

[1] http://www.finance-magazin.de/risiko-it/it/nomophobie-business-in-zeiten-des-info-overkill-1359049/

[2] http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/krankheitenstoerungen/tid-33361/die-neue-sucht-krank-im-netz-wenn-das-internet-abhaengig-macht-so-gelingt-der-entzug_aid_1092278.html

[3] http://www.netzwelt.de/news/90912-nomophobie.html

 

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